I have come here to chew bubblegum and kick ass!

27. Juli 2008

Jou Leute – mein Zivildienst ist vorbei. Neun Monate Arbeit liegen hinter mir, die in letzter Zeit immer mühevoller von der Hand gegangen sind, ich sie aber, jetzt, wo sie vorbei sind, nicht unbedingt missen möchte.
Man kann wirklich sagen, dass ich viel gelernt habe: Hauptsächlich etwas über das Wesen des Rettungs- und Krankendienstes, wie es in Spitälern und Pensionistenheimen abgeht, wie man mit alten und kranken Leuten umgeht und dergleichen. Letzteres hat mich manchmal alles andere als erfreut und ich war recht oft genervt – dann hat man aber auch wieder schöne Erlebnisse, mit angenehmen Menschen, mit welchen man sich richtig unterhalten kann; oder die zumindest nicht mit einer Einstellung durchs Leben gehen, dass sowieso alles Scheiße ist und jeder sie hasst und verarschen will. Zugegebenermaßen waren das nur die positiven Einzelfälle, aber immerhin gab es sie – auch, wenn sie mein nun weitaus schlechteres Bild von alten Leuten nicht wirklich verbessern konnten. Aber um vorurteilsfrei zu bleiben muss man jedenfalls erwähnen, dass nicht alle Menschen dieser Altersklasse automatisch grantig und miesmutig sind.

Gelernt habe ich auch, dass ein angenehmer Arbeitskollege Gold wert sein kann. Im Krankentransportwagen wurde ja immer zu zweit agiert – ein Fahrer mit einem Sanitäter, der dann klarerweise ich war. Und es ist nunmal so, dass man sich mit manchen Leuten besser versteht, mit anderen schlechter oder gar nicht gut. Problematisch ist es halt, wenn man bis zu 12 Stunden mit Menschen letzterer Gattung zusammen sein, oder vielmehr zusammen arbeiten muss. Wenn man sich irgendwann wegen jeder Kleinigkeit anmotzt und gegenseitig beschudigt, hängt einem die Arbeit irgendwann noch mehr zum Hals heraus.
Da ist man umso froher, wenn man einen Fahrer hat wie meinen letzten, mit dem ich die vergangenen zwei bis drei Monate gefahren bin. Ein lockerer Kerl, der die ganze Sache und vor allem das Provisionenscheffeln nicht so ernst nahm, viele Pause einlegte, meine Wünsche respektierte und versuchte umzusetzen und ganz allgemein ein sehr sympathischer Zeitgenosse ist. (Immerhin gab’s auch Fahrer, die den ganzen Tag ohne Pause durchfuhren, so schnell und hetzend wie nur möglich, um lächerliche 100 Euro mehr am Ende des Monats zu haben. Und das 60 Stunden die Woche, wohlgemerkt.) Ich hoffe, ich konnte ihm dies ein bisschen zurückgeben, aber ich hatte durchaus den Eindruck, dass ihm die Arbeit mit mir auch Spaß machte oder zumindest nicht in irgendeiner Weise zusätzlich anstrengend wurde.

Insgesamt kann ich jedem, der seinen Zivildienst noch ableisten muss, empfehlen, zu einer Rettungsorganisation zu gehen – vorrausgesetzt, man interessiert sich ein bisschen für Medizin und hat nichts dagegen, 80% der Arbeitszeit mit alten, womöglich ungehaltenen Menschen zu tun zu haben. Alleine das Grüne Kreuz als Zivildienstorganisation kann ich nicht empfehlen – zum einen anderen übertriebenen, überstundenlosen Arbeitszeiten, bei denen man auch schon mal völlig spontan zu einem äußert unpraktischen Dienst eingeteilt wird; zum anderen, weil Rettungseinsätze wirklich rar sind. Wer viel Ruhe und Lockerheit schätzt, wird damit zufrieden sein, wer aber wirklich etwas erleben und lernen will, eher unbefriedigt. Da hat man es beim Samariterbund, Roten Kreuz oder den Johannitern weitaus besser – auch, weil diese viel professioneller agieren und besser ausgestattet sind. In deren Zentralen besteht der Aufenthaltsraum jedenfalls nicht aus einem schäbigen 20-Quadratmeter-Zimmer mit Holzbänken und einem ranzigen Kaffeeautomaten.

Zu guter Letzt bleibt noch zu sagen, dass der Umstieg von der Arbeit auf die – vorläufige – totale Freiheit viel leichter bzw. selbstverständlicher vonstatten gegangen ist, als ich mir das gedacht hätte. Bisher ist es jedenfalls nicht so, dass mir irgendetwas total anders oder fremdartig vorkommen würde – obwohl vom einen Tag auf den anderen eine total andere Lebenseinstellung herrscht. Das mag auch daran liegen, dass ich als Zivildiener generell nicht eine 5-Tage-Woche hatte, sondern immer ein paar Tage gestaffelt hintereinander Arbeit und dann wieder länger frei. So kommt es mir im Moment eher so vor, als hätte ich nur ein paar freie Tage und müsste bald wieder anfangen zu arbeiten – nur, dass ich schon über eine Woche nicht arbeiten muss.

Na ja, wie auch immer. Jetzt gibt’s erst mal Ferien, und ich hoffe ein bisschen was von dem, was ich mir vorgenommen habe, umsetzen zu können. In der Wohnung sieht’s zumindest schon ziemlich fertig aus – immerhin haben wir ja jetzt auch die zwei Katzen, die zuvor bei meiner Mutter gelebt haben, hier – und auch ansonsten habe ich einen relativ vollen Terminplan bzw. einige Leute im Hinterkopf, die ich mal wieder sehen will. Dazu ist ja jetzt genug Zeit.

Eine Antwort to “I have come here to chew bubblegum and kick ass!”

  1. Sam said

    Na, dann komm mal bald vorbei gecruist, schließlich spielen dredg :O Dredg-Mini-CT!

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