Vor zwei Tagen wurden in Österreich Personen von sieben Tierschutzvereinen willkürlich festgenommen. Wie das im Überwachungsstaat so üblich ist, wurden dabei auch noch gleich deren Häuser gestrümt, private Daten entwendet und vor der Aktion sowieso monatelang beschattet, überwacht und bespitzelt.

So weit, so schlecht. Zehn Personen befinden sich in Haft, einer davon im Hungerstreik. Vorwurf: „Bildung einer kriminellen Vereinigung“ – wobei man sich zu etwaigen Begründungen natürlich nicht äußern wollte, es heißt lediglich, „der Verdacht habe sich nach der Durchsuchung verstärkt“. Interessant, was in unserem Land so alles möglich ist. Da ist man Obman eines Vereins und wird urplötzlich verdächtigt, quasi ein Terrorist zu sein – wodurch dieser Verdacht allerdings belegt werden könnte oder was konkret eine „kriminelle Vereinigung“ ausmacht bzw. ab wann eine solche existiert, bleibt im Dunkeln.

Klar, vermutet werden kann die Ausübung tierrechtlich positive, rechtlich aber leider negative Aktionen: Brandanschläge auf Tierfabriken, Sabotage gegen Lebensmittelkonzerne, Zerstörung von Jagdeinrichtung usw. Klingt für mich allerdings mehr nach der ALF bzw. TBF, die diese Taten auch öffentlich zugibt, deren Drahtzieher aber glücklicherweise großteils verdeckt bleiben. Weswegen nun unter anderen der normalerweise nur mit Demonstrationen und Informationsmaterial/-kampagnen auf das Leiden der Tiere aufmerksam machende Verein gegen Tierfabriken solche Vorwürfe ertragen muss, ist unklar.

Aber ich erinnere: Oftmals reicht es nur, bestimmte Worte auszusprechen respektive zu publizieren, bzw. sich (angeblich) zur falschen Zeit am falschen Ort zu befinden. Holla, schon kann man bespitzelt, inhaftiert und seiner Recht entledigt werden!

Das alles ist möglich in diesem wunderbaren Mitteleuropa, das, regiert von den so genannten „Mitte-Rechts-Parteien“, Deratiges problemlos zulässt, ja sogar noch fördert. Aber ich gebe gar nichts so sehr der Politik die Schuld daran – nein, es sind vielmehr die Wähler, also unsere Gesellschaft, die mit ihrer Stimme zur Verantwortung gezogen werden muss. Denn dass sich in diesem Land immer noch nichts zum Guten wendet, sieht man sehr leicht und schnell an den User-Kommentaren einschlägiger Newsportale. (Wobei auf letzterem die Vernunft offenbar zumindest teilweise noch vorhanden.)

Nettes Bemerkung zum Schluss: PeTA kürt die sexuellsten Vegetarier-Celebrities.
Ich hab für Naomi Watts und Steve Jobs gestimmt. :D

Ganze Straße nix leuchten

9. Dezember 2007

Heute war ja der ominöse „Licht aus!“-Tag. Mitgemacht hab ich natürlich nicht, aber ich war ohnehin auf einem Bandcontest (wo auch um 20 Uhr die Bühnenbeleuchtung fett strahlte).
Sinn der ganzen Aktion? In meinen Augen bloß ein Mittel, um das Gewissen vieler Leute mal wieder für einige Zeit zu befriedigen, sie in den Glauben führend, sie hätten wirklich was bewirkt. Tut mir Leid, liebe Mitmachenden, aber das habt ihr nicht. Selbst wenn der Beitrag „symbolisch“ gemeint war, so hat das Ganze keinen Sinn, wenn man sich fünf Minuten lang toll für die Umwelt einsetzt und danach so weiterlebt wie bisher. Davon hat niemand was, außer natürlich man selbst, weil man sich als Held, Retter und Heiland fühlen darf.

Wer also zu jener Gattung Mensch zählt, der glaubt, dass Seinesgleichen schuld am Klimawandel ist, hätte eher bei „Licht an!“ mitmachen sollen. Auch wenn diese Aktion nicht minder populistisch ist, so hätte sie noch eher was bewirkt, als bloß mal das Licht auszuschalten.

(Ach ja: Bei der Suche nach einer offiziellen „Licht aus!“-Seite, bin ich wieder mal auf den großartigen Achmed-Telefonanruf mit dem gleichen Titel gestoßen. Unbedingt anhören. :) )

An alle Deutschen: mitmachen!

17. November 2007

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung!

Der Bundestag hat am 9. November 2007 mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD den Gesetzentwurf zur Einführung der Vorratsdatenspeicherung in Deutschland beschlossen. Das Gesetz bedarf noch der Unterschrift des Bundespräsidenten. Falls diese erfolgt, werden wir vor dem Bundesverfassungsgericht Verfassungsbeschwerde gegen das Gesetz einlegen. Denn die zwangsweise Totalprotokollierung unserer Telekommunikation ist ein eklatanter Verstoß gegen das Fernmeldegeheimnis und das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung.

Schäuble! Wegtreten!

Liebe Besucher,
auf dieser Seite können Sie für den Rücktritt Dr. Wolfgang Schäubles votieren.

Herr Dr. Schäuble ist Innenminister der Bundesrepublik Deutschland. Ihm obliegt die Aufgabe, das Grundgesetz zu schützen und Sorge zu tragen, dass den Bürgern die darin definierten Freiheitsrechte auch in der Zukunft garantiert werden können.

Herr Dr. Schäuble stellt aus Angst vor islamistisch motivierten terroristischen Anschlägen das gesamte Volk unter Generalverdacht und sucht mit dieser Rechtfertigung ein Grundrecht nach dem anderen auszuhebeln.

(Ja, sogar für eigenen Text bin ich zu faul, aber das hier ist wirklich wichtig. Auch wenn bei letzterem Link die erste Welle an Unterschriften schon abgeschickt wurde, sind auch nachkommende Eintragungen ebenso wichtig. Also, jeder der aus Deutschland kommt und etwas gegen den drohenden Überwachungsstaat tun will, sei hiermit dazu aufgerufen!)

Unser Leben als Terroristen

6. November 2007

… und der wahre Terror geht immer noch alleine vom Staat aus.

Wir müssen nur wollen

28. Oktober 2007

Ein weiterer Schritt zur Gleichstellung von Mann und Frau: Wirtschaftsstaatssekretärin Christine Marek schafft finanzielle Ungleichheiten in Warenverkauf und Dienstleistung ab, ein vielzitiertes Beispiel bezieht sich beispielsweise auf die teureren Preise für Frauen beim Friseur. Aber bevor die Stimmen Emanzipationsgegner laut werden: Auch Einrichtungen wie der Frauentag im Casino oder eine „Lady’s Night“ in diversen Clubs gehören somit der Vergangenheit an – als Frau kommt man als um den meist teuren Eintritt nicht mehr herum.
Meiner Meinung nach eine richtige Entscheidung. Denn auch wenn das manche Feministinnen anders sehen mögen – Gleichstellung bedeutet nun mal, dass Frauen keine Nachteile erdulden müssen, gleichzeitig aber auch keine Vorteile nur aufgrund ihres Geschlechts erfahren dürfen.

Diese Thema bringt mich aber sofort auf die Paradoxität des Wehr- oder Zivildienstes. Denn warum Frauen diesen immer noch nicht ableisten müssen, ist mir schleierhaft.
Als ich meine Mutter damit konfrontierte, meinte diese, dass Frauen ihren Dienst für den Staat dahingehend ableisten, dass sie Kinder austragen und sich meistens auch um diese alleine kümmern muss. Beides richtig, nur: Heutzutage ist es keineswegs mehr so, dass jede Frau auch wirklich Kinder bekommt. Im Gegenteil, wie von Seiten des Staates oft beklagt wird, sinkt die Geburtenrate zunehmen, Frauen entscheiden sich lieber für die Karriere als für das Kind. In meinen Augen haben sie selbstverständlich auch das Recht dazu – nur lässt sich dadurch zumindest eine Zivildienstpflicht für Frauen nicht mehr rational widerlegen. Denn man muss bedenken, dass die Präsenzdienstpflicht aus Zeiten kommt, wo das von meiner Mutter erläuterte Schema noch Gang und Gäbe war. Wenn man diverse Regelungen aber schon modernisiert und den heutigen Gegebenheiten anpasst, wieso nicht auch diese?

Ich stelle mir das wie folgt vor: Einer Frau wird, sagen wir mal bis zum 35. Lebensjahr, die Wahl gelassen, ob sie lieber ein Kind bekommt oder dem Staat anders einen Dienst erweist. Nicht als Drohung, nicht als Strafe – völlig frei von Beurteilungen, aber dennoch als Ersatz für das Nicht-Gebären eines Kindes. Somit würden auch Frauen, die sich gegen ein Kind entscheiden, etwas für den Staat Hilfreiches leisten und dabei einer geschlechtsbasierten Diskriminierung entgegenwirken. Aufgrund biologisch bedingter physiognomische Abweichungen zwischen Mann und Frau wäre es zudem sinnvoller, die „Wehrdienst/Zivildienst“-Abfolge umzukehren – sprich, besagte Frauen wären zum Zivildienst verpflichtet, könnten aber auch per Einreichen eines Formulars eine Aufnahme in den Wehrdienst anfordern.

Meiner Meinung nach eine sinnvolle und gerechte Lösung, die bei manchen emanzipatorisch übermäßig orientierten Frauen aber sicherlich Proteste auslösen würde. Eine Sache, die ich nicht nachvollziehen kann – denn wenn man gleiche Rechte fordert, muss das auch mit gleichen Pflichten einhergehen. Immer nur zu fordern, aber nichts im Gegensatz zu dem Erhaltenen einbüßen, kann keine Gleichstellungspolitik bedeuten, das ist lediglich Machtmissbrauch.

Ihr Hirten und Schafe

23. Oktober 2007

Wisst ihr was? Langsam verliere ich den Glauben an die Menschheit. Und zwar den Glauben daran, dass sich in den Köpfen der Menschen irgendwann einmal etwas ändern wird.

Ausschlaggebend für diese These war ein Thread im Multimediaxis-Forum. Hierbei geht es um die eigene Gläubigkeit in Bezug auf Gott – und nachdem jeder schön brav seine Meinung dazu gesagt hat, kommt es selbstverständlich zur Diskussion. Das wäre ja völlig in Ordnung, wenn nicht eines der Fall wäre: Von beiden Seiten, also von Gottesgläubigen wie Atheisten/Agnostikern kommen wieder einmal die selben, alten „Argumente“, die schon so ausgelutscht und langweilig sind, dass es richtig weh tut. Da werden Dinge aufgeworfen und als Tatsachen präsentiert, die schon vor Jahrhunderten von diversen Philosophen, Naturwissenschaftlern und Theologien widerlegt oder aus der Welt geschafft wurden – und dennoch beschäftigt man sich immer noch mit diesem Schwachsinn.
Gut, man kann damit argumentieren, dass in diesem Forum vorwiegend junge Leute posten, aber einige ältere (um die 20-25) sind ebenso anwesend und verbreiten fleißig Halbwahrheiten und Uraltfloskeln. Ziemlich traurige Bilanz, wenn ihr mich fragt, immerhin sieht es andernorts nicht unterschiedlicher aus.

Ein Beispiel wäre hier eine Diskussion in einem Eintrag des Bestatter-Blogs. In dem Bericht geht es um ein schwules Paar, in dem einer der Partner gestorben ist und der andere nun die Trauerfeier arangiert, was der homophobe Vater des Verstorbenen gar nicht gerne sieht.
Und während ansonsten mit Unverständnis über den Vater Köpfe geschüttelt werden, hat ein User namens Ar-ras nichts Besseres zu tun, als wieder einmal über Schwulengemeinschaften (-Ehen kann man das ja immer noch nicht nennen) herzuziehen und zu glauben, er hätte Gottes Weisheit mit den Löffeln gefressen. Das tut er mit fragwürdigen Scheinargumenten à la „Die Ehe ist eine Sache der Kirche, und solange der deutsche Bundespräsident auf Gott schwört, ist das auch gerechtfertigt!“ oder „Gott hat die Liebe/Sexualität nur zwischen Mann und Frau vorgesehen! [Nicht weiter begründet]“ – auf Gegenargumente geht er natürlich nicht und wenn überhaupt nicht mit dem notwendigen Ernst ein.

Ich behaupte bestimmt nicht, dass nur eine Einheitsmeinung herrschen sollte, ganz im Gegenteil – Meinungspluralismus hat schon seine positiven Dinge. Wenn es allerdings um derart Essentielles wie den Fakt, dass Gott nicht beweisbar ist, oder die Akzeptanz von homosexuellen Lebensgemeinschaften geht, hat das nicht mehr viel mit Meinungen, sondern mit altbackenen Überresten längst nicht mehr aktueller Traditionen zu tun
Oder ganz einfach mit einer großen Menge an Unwissen.

Wir hassen falsch!

22. Oktober 2007

Man mag es kaum glauben, aber nach fünf Jahren des Wirkens verabschiedet sich der Elektronikverkaufskonzern Saturn von seinem Slogan „Geiz ist geil!“ und lässt sich von einer Werbeagentur einen neuen kreieren. Ergebnis (Achtung, festhalten):

„Wir lieben Technik! – Wir hassen teuer!“

Vom mäßig wirkenden Einfallsreichtum abgesehen ist dieser Leitspruch fast noch schlimmer als der vorherige, was einen einzigen, störenden Grund hat: Er entbehrt sich zu 50 Prozent geltenden Grammatikregeln, was anderen egal sein mag, mir persönlich aber sauer aufstößt.. Hätte man wenigstens „Wir hassen Teures!“ oder „Wir hassen ‚teuer‘!“ formuliert – nein, es muss ein völlig danebenliegendes Satzkonstrukt wie „Wir hassen teuer!“ sein. Amüsanterweise spricht man in der Pressemitteilung sogar von „Ästhetik“ bzw. davon, dass die zuständige Agentur Scholz & Friends einen „ebenso aufwändigen wie ästhetisch anspruchsvollen“ Auftritt geschaffen hat. Das begründet man wohl damit, dass im Werbespot das höchstens unter Alkoholeinfluss geniale Lied Ooh La La von Goldfrapp verwendet, auf sprachlich-ästhetische Merkmale aber offenbar keinerlei Wert gelegt wird. Eine Tendenz, die leider nicht nur in den Kampagnen von Saturn bemerkbar wird (nein, das soll keine Hommage an die „gute, alte Zeit“ werden).

Gestapo 2.0

18. Oktober 2007

Während in Deutschland immer noch Diskussionen um Innenminister Wolfgang Schäuble und seine „Stasi 2.0“, sprich die Online-Durchsuchen, laufen und dagegen auch kräftig protestiert wird, ist hier in Österreich die Überwachung fremder PCs durch die Exekutive offenbar bereits beschlossene Sache. Seit gestern ist jedenfalls in allen Medien zu hören bzw. lesen, dass Justizministerin Maria Berger von der SPÖ und Innenminister Günther Platter (ÖVP) sich auf das Einführen der Durchsuchung beliebiger PCs ab Herbst 2008 geeinigt haben – was bei letzterem auch keine Überraschung ist. Platter distanzierte sich zwar bis zuletzt von den Ideen Schäubles, machte aber dennoch Anspielungen in dieser Richtung, die nun wahr gemacht werden sollen.

Dabei wird natürlich beteuert, dass nur bei strengem Tatverdacht und unter richterlichem Bescheid eine Durchsuchung stattfinden wird. Gut möglich, die Frage ist nur, ab wann ein „strenger Tatverdacht“ besteht und noch viel mehr: Wie stark diese Grenzschwelle in Zukunft herabgesetzt wird, was zweifelsohne der Fall sein wird. Justizministerin Berger bejahte schon gestern in einem ORF-Interview die Frage, ob man bei einem zufälligen Fund von verdächtigem Material weiterforschen würde.
Und genau solche Aussagen machen die Sache so fragwürdig. Denn ab wann ist jemand in solcher Hinsicht tatverdächtigt, als eine Überwachung (natürlich unter Ausschluss des Verdächtigen)gerechtfertigt wäre? Wenn eine Person „fragwürdige“ Wörter wie „Bombe“ oder „Anschlag“ am Telefon erwähnt (Telefonüberwachung ist immerhin schon – unkritisiert – Gang und Gäbe)? Wenn sie entsprechende Dateien auf ihrem PC oder in ihren E-Mails gespeichert hat? Wenn sie einen Turban und weiten Mantel trägt?

Das Ganze passiert natürlich unter dem Banner der Sicherheit – mit sehr fragwürdigen Argumenten. So heißt es von den Ministerien:

„Der vielfach behauptete Gegensatz zwischen Sicherheit und Freiheit ist ein scheinbarer, [denn] die Angst vor Straftaten kann zu erheblichen Einschränkungen in der Gestaltung des Alltags und zu verminderter Teilnahme am gesellschaftlichen Leben führen.“

Einschränkung des Alltags aufgrund von Terrorangst? Bei solchen Aussagen frage ich mich, in welchem Land sich der Herr Innenminister gedanklich befindet. Im Irak oder in Israel, wo ein Besuch der örtlichen Caféteria schon mal das Todesurteil bedeuten kann, wäre eine solche Aussage völlig verständlich. Aber in Österreich, wo sogar noch weniger Terrorgefahr als in Deutschland herrscht?
Ein weiterer Hinweis darauf, dass, wie ARGE-Daten-Chef Hans Zeger schon sagt, die Überwachung nur eine weitere populistische Maßnahme ohne argumentativen und sinnbesetzeten Hintergrund ist.
Denn abgesehen von der nicht vorhandenen Gefahr kann jeder, der auch nur ein wenig mehr Ahnung von Computersicherheit hat, seinen PC dementsprechend von Trojanern – egal ob die vom Staat kommen oder nicht – absichern, erst recht Personen, die wirklich etwas zu verbergen haben. Somit wird mit den geplanten Mitteln ohnehin nichts bewegt werden können – aber die Bevölkerung in dem Glauben gehalten, das Innenministerium würde etwas gegen die „Terrorgefahr“ unternehmen.

Somit wird also bloß das erste Puzzleteil zu einem kommenden Überwachungsstaat gelegt, ohne dass sich effektiv etwas verändert. „Mit dem Verbrechen Schritt halten“, nennt Platter das. Das Widersprüchliche ist nur, dass das Verbrechen, wenn denn überhaupt vorhanden, dem Staat in dieser Hinsicht sowieso immer einen Schritt voraus ist. Sollte es zu Terroranschlägen in Österreich kommen, wird auch eine Online-Überwachung dies nicht verhindern können. Im Gegenteil, sie schafft nur mehr Angst, als sie zu verhindern versucht – die Angst, auch einmal selbst in Visier der Fahnder zu kommen.

Am 25. Oktober werden die jährlichen Big-Brother-Awards vergeben. Dabei werden Personen und Institutionen „ausgezeichnet“, die sich mit fragwürdigen Ideen gegen den Datenschutz stellen. Nominiert sind unter anderen Günther Platter und Unterrichtsministerin Claudia Schmied.

Quellen:
http://orf.at/071018-17749/index.html
http://derstandard.at/?url=/?id=3076638

The always open mouth

10. Oktober 2007

Ich weiß ja nicht wie das in Deutschland ist, aber hier in Wien nervt mich in letzter Zeit eines ganz besonders: Durchsagen in öffentlichen Verkehrsmitteln.
Nicht nur, dass die nächste Station im Bus, der U-Bahn oder sonst wo angesagt wird – das wäre ja normal. Nein, mittlerweile übertreibt man es echt. Da wird man darauf hingewiesen, dass man einsteigen solle, da der Zug ja abfährt, in welcher Richtung der nächste Bahnsteig ist (als würde man das nicht ohnehin sehen) und seit neustem auch mit einer unglaublich nervigen Kinderstimme, dass man seine Zeitungen nicht im Zug zurücklassen soll. (Warum eigentlich nicht? Ich freu mich immer, wenn ein freier Platz mit einer Zeitung besetzt wird, während am Zeitungsstand zwei Stunden nach Auslegung kein einziges Exemplar mehr mitnehmbar ist.)

So, und in der Schnellbahn wird die Sache noch höher getrieben. Hier gibt es standardmäßig zwar nur die Ansage der nächsten Station, dafür aber zwischen sämtlichen Stationen eine einminütige, formal unglaublich ausgeschmückte Durchsage, mit dem Inhalt: Ab November fahren die Züge im 10-Minuten-Takt. Als ob das nicht genug wäre, gibt es zur Abwechslung auch hier den Hinweis, den Wagon nicht zu verschmutzen, ebenfalls eine Minute lang.

Ich meine, hallo? Sind die Leute heutzutage wirklich so dumm, dass man ihnen alles vorsagen und -kauen muss, oder werden sie bloß dafür verkauft? Ich find’s jedenfalls unglaublich lästig – was mir allerdings erst jetzt, wo ich keinen iPod habe, auffällt. Ansonsten dröhnt mir sowieso standardmäßig Musik durch den Schädel.

Hundedosen

21. September 2007

Seit gut einem Jahr läuft die Kampagne „Nimm ein Sackerl für mein Gackerl“ der Stadt Wien. Mit treu-doof guckenden Hunden, die auf Plakaten und kleinen Pappschildern zu sehen sind, soll mit dem dazugehörigen Slogan für das Wegräumen von Hundekot auf Straßen und Wiesen geworben werden.

Meiner Meinung nach ja generell eine gute Sache – obwohl wir jetzt selbst einen Hund haben, ging und geht mir der Hundedreck schwer auf die Nerven, vor allem wenn er auf Bürgersteigen oder Straßen mitten im Weg hingepflanzt wurde und sich kein Besitzer darum schert. Allerdings zeigt eine Kampagne alleine wenig Wirkung, wie man sieht. Obwohl 17.000 Pappaufsteller überall in Wien verteilt sind (teilweise in sehr absurden Mustern, dazu später mehr), hat sich die Situation subjektiv gesehen nicht verbessert. Offizielle Zahlen kenne ich nicht, aber weniger Hundekot besonders in den städtischen Gebieten konnte ich nicht erleben.
Meiner Meinung nach ist das auch kein Wunder, denn faule Menschen (und was anderes sind entsprechende Hundehalter nicht) werden durch bettelnde Hundeaufsteller kaum mehr Elan zeigen, sich zu engagieren. Weitaus sinnvoller wäre es, schlichtweg mehr Boxen mit herausziehbaren „Sackerln“ aufzustellen, den entsprechenden Mistkübel gleich daneben. Dann gäbe es keine Ausreden mehr bezüglich einer umständlichen Handhabung oder zu hohem Selbstaufwand. Selbstverständlich müsste man die Kästen auch an passenden Standpunkten installieren, aber wenn man bestimmte Wiesen schon als „Hundewiesen“ markiert, dürfte das evidenterweise kein Problem sein.

Eine andere Möglichkeit wäre natürlich das Einführen härterer Strafen bei Verunreinigung der Öffentlichkeit sowie häufigere Kontrollen. Das ist bei Weitem nicht die von mir favoritisierte Lösung, aber wenn es anders nicht geht, muss man es den Leuten offenbar einbläuen. Warum so etwas aber nicht getan wird, ist ganz einfach: Hundehalter sind Wähler, und das in hoher Anzahl. Kein Stadtrat würde also den Mumm besitzen, radikal gegen das Hundekotproblem vorzugehen, weil er sein Mandat nach der nächsten Wahl wohl abschreiben könnte. Aber dieses Phänomen ist ja schon lange kein neues mehr, getan wird eben, was dem Wähler gefällt, und nicht was sinnvoll ist.

Na ja, darauf gekommen bin ich eigentlich durch zwei Dinge:

Erstens fand man diese Schilder kurz nachdem der Laaerberg (direkt vor unserer Wohnung gelegen) zur offiziellen Hundewiese ernannt wurde, in dreifacher Anzahl dort stehen. Zuerst hat mich das kaum gekümmert, als ich dann aber mit unserem Hund eben dort Gassi ging, war ich doch erstaunt, als diese plötzlich den Papphund wie wild anbellte, anknurrte und ihn scheinbar am liebsten zerfetzt hätte.
Ok, das nicht, denn als ich ihn näher heran ließ, hielt er dann doch „Sicherheitsabstand“, das Bellen wollte aber nicht aufhören. Nur mit viel Mühe gelang es mir, ihn von dem Holzkameraden wegzubringen, damit der Lärm ein Ende hatte. Ich nehme mal an es lag daran, dass unser Hund ersten noch jung ist (andere Hunde waren offenbar unbeeindruckt von den neuen Schildern) und zweitens das Gackerl-Vieh selbstverständlich mit starrem Blick in die Welt schaut, was Hunde überhaupt nicht mögen.
Angeblich sind die Schilder aber schon wieder entfernt, warum auch immer. Morgen kann ich mich selbst davon überzeugen.

Zweitens war ich heute Nachmittag in der Inneren Stadt unterwegs, unter anderem auch hinter dem Rathaus. Und das Bild, das sich mir dort bot, war witzig bis grotesk:
Auf einer schön geschnittenen Wiese mit imposierender Blumendekoration in der Mitte waren gezählte 30 Sackerl-Gackerl-Schilder verteilt – in den seltsamsten Formationen, mal aufgereiht, mal völlig durcheinander, mal rund 8 Stück mit einem Maximalabstand von 30 cm voneinander, am Rand, dann wieder mitten vor der Dekoration und so weiter. Was das bringen soll, frag ich mich bis jetzt – massive Eigenwerbung auf höchst unästhetische Weise? Ein Scherz von frustrierten Hundehaltern? Das Werk eines betrunkenen Gartenarchitektes?
Morgen werde ich vielleicht dazu kommen, ein Foto von dieser Sonderlichkeit zu machen, wenn sich bis dahin noch niemand darum gekümmert hat.

Wie auch immer, das Ende der Geschichte ist bis dato, dass die Stadt Wien offenbar von ihrer Idee überzeugt ist und bis zum nächsten Jahr 14.000 weitere Pappaufsteller in Wien verteilen wird. Vielleicht hofft man ja auf Wirkung durch impressiven Overkill, ich bin gespannt ob das wirkt.