Wohnung

14. Januar 2008

Tja, mit der Wohnung geht es voran. Die meisten der Möbel stehen schon, die Elektrogeräte sind gekauft und die beiden größten fehlenden Dinge sind die Schranktür und die halbe Küche.
Doch mit jedem Stück Möbel, das aus den IKEA-Kartons gepackt und zusammengeschraubt wird, verliert sich auch meine Jugend immer und immer mehr. Denn in letzter Zeit mache ich mir fast täglich Gedanken darüber, dass ich diese Zeit eigentlich nie so richtig ausgekostet habe. Früher war es immerhin so, dass ich nach der Schule und einem Mittagessen unterwegs zu Hause angekommen so gut wie immer schnurstracks zum PC gelaufen bin und dieser dann bis 12 Uhr in der Nacht an war – Klo- und Essenspausen inklusive. Klar, damals hat mir das viele Chatten und Surfen richtig Spaß gemacht, was wohl auch daran liegt, dass ich generell ein recht introvertierter Mensch bin und neue Kontakte nur schwer knüpfe (liegt auch daran, dass ich mich mit den wenigsten Menschen so richtig gut verstehe, meist entsprechen sie nicht wirklich dem, was ich von einem „Freund“ erwarte). Aber im Nachhinein betrachtet hätte ich meine Zeit dann doch lieber mit Weggehen, Spaß (im RL!) haben und Erfahrungen sammeln verbracht. Ohne die Schuld abwälzen zu wollen denke ich, dass das zu Teilen auch an meinen Freunden lag, die alle eher der Vorm-Computer-sitzen-und-zu-Hause-bleiben-Typ waren – aber auch ich empfand wie gesagt wenig Motiviation, diesbezüglich etwas zu ändern.

Ich will nicht behaupten, dass man mit 19 sein halbes Leben hinter sich gehabt hätte. Aber mit einer eigenen Wohnung, einer festen Freundin, mit der man in dieser wohnt und einem fixen Job (bzw. danach Studium, ich will’s ja auch zu was bringen), ist die Zeit der unbeschwerten Jugend wohl vorbei. Zu gewissen Teilen besitze ich nun Verantwortung für mich und andere Dinge, was zuvor nicht so stark der Fall war. Aus dieser Verantwortung resultieren selbstverständlich Restriktionen, aber genau diese sind es, die mir zu schaffen machen. So toll es ist, mit meiner Freundin alleine in einer eigenen Wohnung zu leben um dort tun und lassen zu können, wie man will, so mühsam ist es, jeden Diensttag (man beachte das Doppel-T) pünktlich aufzustehen, seine 12 Stunden gewissenhaft durchzuarbeiten und danach noch was im Haushalt zu erledigen. Immer wegzugehen wann man Zeit hat ist ebenfalls toll, aber wildes Rumgeknutsche oder Alkoholexzesse neben meiner Freundin wird’s auch nicht mehr spielen.

Ich bereue natürlich nicht, jetzt schon auszuziehen und freue mich auf unsere gemeinsame Wohnung. Ich bereue lediglich, die Zeit davor nicht so ausgekostet zu haben, wie ich es rückblickend gerne getan hätte. Denn rückgängig machen lässt sich nichts, und das ist etwas, was ich am meisten im Leben hasse.

2 Antworten to “Wohnung”

  1. Sam said

    Ich beneide irgendwie, wieviel Zeit ihr euch mit dem Einrichten der Wohnung lassen könnt, einfach so nach und nach alles aufbaut. Ich bin ja umgezogen in die leere Wohnung und hab innerhalb von einem Wochenende alles mit meinem Vater eingekauft und auch eingekauft. Aber so ist das wohl, wenn man weit weg zieht, ihr bleibt ja in Wien, nicht wahr?

    Was du sonst schreibst, über deine Jugend, kann ich gut verstehen. Irgendwie hab ich es hinbekommen, ein totaler Nerd zu seinund trotzdem ein richtiges Leben nebenbei zu haben. Vielleicht war es gut, dass ich NUR Fernbeziehungen hatte, somit ein Internetleben hatte, eins in meiner Umgebung und dann noch eins dort, wo eben Freund/in wohnte. Und irgendwie hatte ich dann mit den Beziehungen auch Glück, zu Carina-Zeiten war es nie wirklich ein Problem, auch andere Menschen zu küssen. In anderen Beziehungen war ich wiederrum nicht treu. (3, 4 mal betrogen?) Und nach der Beziehung mit Carina und der nächsten lagen etwa 6 Monate, in denen war ich nur Party machen und bin mit der Bahn durch ganz Niedersachsen getourt. Ich war viel und oft betrunken, aber das geht bei mir auch schnell. Das es bis zu Sebastian immer so chaotisch war, war aber sicher auch gut und ich bin froh, dass er nicht meine erste Beziehung ist oder zu den ersten Affären gehört, ansonsten hätte ich ihn wohl ziemlich verletzt. Auch die fast 1 1/2 Jahre Fernbeziehung waren nicht die schlimmsten, abgesehen davon, dass man sich vermisst hat. Ich war am Wochenende abends oft mit anderen Freunden tanzen, Sebastian ist nicht so der Indie-Disko-Tanzbär. Seit dem Umzug hat sich viel verändert, eben weil ich hier niemanden richtig kenne. Auf der anderen Seite vermisse ich die Leute von zu Hause aber auch kein Stück, das ausziehen war für mich auch eher eine Erleichterung, meine Familie halt. Ich bin aber auch ganz froh, erstmal allein zu sein und nicht gleich mit Sebastian zusammen zu wohnen, andererseits würde ich schon gerne eher mit ihm zusammenziehen als wohl erst in 3 Jahren, wovon wir 1 Jahr lang vielleicht wieder eine Fernbeziehung führen müssen. Du und die Betty habt’s schon gut, man weiß ja auch nicht, was noch kommt. Gerade im Studium hat man doch noch recht viel frei, dir bleibt also noch alle Zeit der Welt für alkoholgetränkte Parties und wilder Rumgeknutsche, das dann nur eben mit der Betty ;)

  2. Ina said

    jeder umzug ist ein grosser schritt. und mit dem partner zusammenziehn erst recht!
    kalte füsse sind da ganz normal *aufmunterndzunick*

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