Hundedosen

21. September 2007

Seit gut einem Jahr läuft die Kampagne „Nimm ein Sackerl für mein Gackerl“ der Stadt Wien. Mit treu-doof guckenden Hunden, die auf Plakaten und kleinen Pappschildern zu sehen sind, soll mit dem dazugehörigen Slogan für das Wegräumen von Hundekot auf Straßen und Wiesen geworben werden.

Meiner Meinung nach ja generell eine gute Sache – obwohl wir jetzt selbst einen Hund haben, ging und geht mir der Hundedreck schwer auf die Nerven, vor allem wenn er auf Bürgersteigen oder Straßen mitten im Weg hingepflanzt wurde und sich kein Besitzer darum schert. Allerdings zeigt eine Kampagne alleine wenig Wirkung, wie man sieht. Obwohl 17.000 Pappaufsteller überall in Wien verteilt sind (teilweise in sehr absurden Mustern, dazu später mehr), hat sich die Situation subjektiv gesehen nicht verbessert. Offizielle Zahlen kenne ich nicht, aber weniger Hundekot besonders in den städtischen Gebieten konnte ich nicht erleben.
Meiner Meinung nach ist das auch kein Wunder, denn faule Menschen (und was anderes sind entsprechende Hundehalter nicht) werden durch bettelnde Hundeaufsteller kaum mehr Elan zeigen, sich zu engagieren. Weitaus sinnvoller wäre es, schlichtweg mehr Boxen mit herausziehbaren „Sackerln“ aufzustellen, den entsprechenden Mistkübel gleich daneben. Dann gäbe es keine Ausreden mehr bezüglich einer umständlichen Handhabung oder zu hohem Selbstaufwand. Selbstverständlich müsste man die Kästen auch an passenden Standpunkten installieren, aber wenn man bestimmte Wiesen schon als „Hundewiesen“ markiert, dürfte das evidenterweise kein Problem sein.

Eine andere Möglichkeit wäre natürlich das Einführen härterer Strafen bei Verunreinigung der Öffentlichkeit sowie häufigere Kontrollen. Das ist bei Weitem nicht die von mir favoritisierte Lösung, aber wenn es anders nicht geht, muss man es den Leuten offenbar einbläuen. Warum so etwas aber nicht getan wird, ist ganz einfach: Hundehalter sind Wähler, und das in hoher Anzahl. Kein Stadtrat würde also den Mumm besitzen, radikal gegen das Hundekotproblem vorzugehen, weil er sein Mandat nach der nächsten Wahl wohl abschreiben könnte. Aber dieses Phänomen ist ja schon lange kein neues mehr, getan wird eben, was dem Wähler gefällt, und nicht was sinnvoll ist.

Na ja, darauf gekommen bin ich eigentlich durch zwei Dinge:

Erstens fand man diese Schilder kurz nachdem der Laaerberg (direkt vor unserer Wohnung gelegen) zur offiziellen Hundewiese ernannt wurde, in dreifacher Anzahl dort stehen. Zuerst hat mich das kaum gekümmert, als ich dann aber mit unserem Hund eben dort Gassi ging, war ich doch erstaunt, als diese plötzlich den Papphund wie wild anbellte, anknurrte und ihn scheinbar am liebsten zerfetzt hätte.
Ok, das nicht, denn als ich ihn näher heran ließ, hielt er dann doch „Sicherheitsabstand“, das Bellen wollte aber nicht aufhören. Nur mit viel Mühe gelang es mir, ihn von dem Holzkameraden wegzubringen, damit der Lärm ein Ende hatte. Ich nehme mal an es lag daran, dass unser Hund ersten noch jung ist (andere Hunde waren offenbar unbeeindruckt von den neuen Schildern) und zweitens das Gackerl-Vieh selbstverständlich mit starrem Blick in die Welt schaut, was Hunde überhaupt nicht mögen.
Angeblich sind die Schilder aber schon wieder entfernt, warum auch immer. Morgen kann ich mich selbst davon überzeugen.

Zweitens war ich heute Nachmittag in der Inneren Stadt unterwegs, unter anderem auch hinter dem Rathaus. Und das Bild, das sich mir dort bot, war witzig bis grotesk:
Auf einer schön geschnittenen Wiese mit imposierender Blumendekoration in der Mitte waren gezählte 30 Sackerl-Gackerl-Schilder verteilt – in den seltsamsten Formationen, mal aufgereiht, mal völlig durcheinander, mal rund 8 Stück mit einem Maximalabstand von 30 cm voneinander, am Rand, dann wieder mitten vor der Dekoration und so weiter. Was das bringen soll, frag ich mich bis jetzt – massive Eigenwerbung auf höchst unästhetische Weise? Ein Scherz von frustrierten Hundehaltern? Das Werk eines betrunkenen Gartenarchitektes?
Morgen werde ich vielleicht dazu kommen, ein Foto von dieser Sonderlichkeit zu machen, wenn sich bis dahin noch niemand darum gekümmert hat.

Wie auch immer, das Ende der Geschichte ist bis dato, dass die Stadt Wien offenbar von ihrer Idee überzeugt ist und bis zum nächsten Jahr 14.000 weitere Pappaufsteller in Wien verteilen wird. Vielleicht hofft man ja auf Wirkung durch impressiven Overkill, ich bin gespannt ob das wirkt.

Eine Antwort to “Hundedosen”

  1. Alex said

    Dazu fällt mir eine Geschichte ein, die ich kürzlich auf Juist erlebt habe:

    Mein Hund verrichtet sein Geschäft dezent im Gestrüpp des Seitengrabens, ich habe den Beutel schon parat. Noch bevor ich zur Tat schreiten kann, zickt mich eine ältere Frau an: „Sie wissen ja, dass sie das wegmachen müssen?“ (Natürlich weiß ich das, ich hatte ja auch den Beutel schon in der Hand!)

    Zwei Tage später treffen wir die Dame auf einem Wanderweg mitten in den Dünen wieder – mit heruntergelassener Hose, gerade dabei MITTEN AUF DEN WANDERWEG zu ka….!!! Ich frage, ob sie ein Tütchen braucht, (schließlich habe ich ja immer genug dabei), sie bezeichnet mich als unverschämt und rauscht ab – selbstverständlich OHNE ihre Sch… zu entfernen!

    Und das sie kein Einzelfall ist, konnten wir bei der weiteren Wanderung feststellen – der Weg war gesäumt von menschlichen Hinterlassenschaften! Und auch hier in Düsseldorf gibt es Stellen, die man nicht betreten kann, weil sie zugesch… sind – von Menschen! Warum regt sich eigentlich darüber nie jemand auf???

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